Mit „Lazy Gardening“ zum naturfreundlichen Garten

Vortrag und Gartenführung beim Imkerverein Wellheim

Wer seinen Garten genießen will und keine Lust auf arbeitsintensives Buckeln im Kampf gegen Unkraut hat, muss nicht auf tote Schotterflächen oder durch den Killer-Mähroboter raspelkurz gehaltenen englischen Rasen zurückgreifen. Die Devise lautet: einfach wachsen lassen. Einen modischen englischen Begriff führte Johann Bauch in seinem humorvollen Vortrag für den Imkerverein Wellheim für diese Art des Gartelns ein: „Lazy Gardening“.

Sozusagen als abschreckende Beispiele zeigte er anfangs Bilder von toten Gärten: Mit Folien abgedichtete Schotterflächen, öde Rasenflächen, auf denen kein Gänseblümchen wachsen darf, angereichert mit ein paar nutzlosen Koniferen; aber auch Bilder von totgespritzten Acker-Monokulturen, nicht selten nur noch Biomasse zur Energiegewinnung in Biogas-Anlagen. „Den Preis für unsere billigen Lebensmittel zahlen unsere Mitgeschöpfe, und bald, oft noch unbemerkt, auch wir“, so Bauch. Der Tag und Nacht laufende „Terminator“–Mähroboter schaffe das ökologische Äquivalent einer grün angestrichenen Betonfläche, so Bauch. Er töte jedes Kleinlebewesen, Igeln würde durch den lautlosen Killer die Haut abgezogen.

Nicht nur die Honigbienen als Sympathieträger, von denen 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge abhängig sind, leiden darunter. „In Deutschland gibt es 560 Wildbienenarten“, so Bauch. „Diese Bestäuber schaffen jedes Jahr zusammen einen volkswirtschaftlichen Wert von 2 Milliarden Euro in Deutschland, weltweit 200-500 Milliarden. Sie schaffen nicht nur für unsere Ernährung die Grundlage, sondern auch für Medikamente und Bekleidung. Die Biene ist neben Rind und Schwein das wichtigste Nutztier.“

Er zeigte Beispiele von Blühstreifen, die sich gut auch an Straßen befinden können, und Blühwiesen mit einem hohen Wildpflanzenanteil. Für den Garten empfahl er kleinräumige Strukturen, umso größer wirke der Garten, und Vielfalt statt Einfalt. „60 Prozent unserer Wildpflanzen sind Hungerkünstler“, so Bauch, „die vertragen keinen Dünger und brauchen keine künstliche Bewässerung“.

Am vergangenen Sonntag konnten sich die Besucher bei der Familie Martiny in Konstein ein Bild von einem naturnahen Garten machen, mit Hecken, Wiesen, Obstbäumen und einem kleinen Schwimmteich. „Eigentlich ist es eher ein wilder Garten“, so Eva Martiny bei der Gartenführung. „Wir hatten das große Glück, mit der Lage am Waldrand und einer üppig blühenden Blumenwiese vor dem Bau unseres Hauses die besten Bedingungen vorzufinden. Dann ging es nur darum, beim Hausbau möglichst wenig kaputtzumachen.“ Wichtig für Bienen und Schmetterlinge sei ein Angebot an Blühpflanzen durch die ganze Vegetationsperiode. Das beginne mit Haselnuss, Kornellkirsche und Nieswurz im zeitigen Frühjahr und ende mit dem Wilden Wein am Haus und ungefüllten Astern im Herbst. „Unsere Insekten haben sich zusammen mit den heimischen Wildpflanzen entwickelt,“ so Martiny, „sie brauchen sie nicht nur als Nektar- und Pollenquelle, sondern auch als Fraßpflanze für ihre Raupen.“ Als Beispiele nannte sie verschiede attraktive Schmetterlinge wie Kaisermantel, Schachbrettfalter oder Tagpfauenauge. Ein großer Teil ihrer Wiese werde nur ein- bis zweimal jährlich gemäht, blühende einheimische Sträucher und aromatische Wildpflanzen wie der Dost böten reichlich Insektennahrung. Bei Gartenblumen achteten sie auf ungefüllte Blüten.

„Es ist gar nichts dagegen zu sagen, sich auch ein paar Exoten zu kaufen, solange es eben auch noch ein Angebot an Wildpflanzen gibt“, meinte Eva Martiny. Und betonte: „Unser Garten ist, weil vieles einfach wachsen darf, arbeitsarm. Und es ist täglich eine Freude, die vielen Bienenarten, Schmetterlinge und Libellen, die Fledermäuse und Vögel zu beobachten, die sich bei uns tummeln.“